Alle Jahre wieder – Neue Judo-Meister beim VfL
Drei unserer vier diesjährigen Prüflinge strebten zum ersten mal einen Meistergrad an. Lutz Chrobok, Vanessa Schlage und Andre Gieseler entschieden sich im Sommer dazu, den Weg durch die anstrengende Vorbereitungszeit bis hin zur Prüfung zu gehen.Doch es begann alles nicht ohne Komplikationen. Andre war immer noch dabei sich von seiner Knieverletzung zu erholen, Lutz begann im Oktober mit seinem Studium und pendelte täglich zwischen Pinneberg und Kiel und Vanessa durfte kurzfristig auch auf ihre Kata-Partnerin verletzungsbedingt verzichten. Es konnte also nur noch besser werden und man wächst ja schließlich mit den Herausforderungen…
Wie jedes Jahr steht vor der endgültigen Prüfung noch ein 14-wöchiger Vorbereitungslehrgang an. Hier trafen sich insgesamt 22 Dan-Anwärter jeden Sonntag in Bergedorf auf der Matte, um dem Ziel, Meister zu werden, einen Stück näher zu kommen.
Lehrgangsleiter Lars Lange legte in seiner Vorbereitung viel Wert auf die fehlerfreie und exakte Ausführung der Kata. Hierbei kommt es auf das Zusammenspiel von Tori (der Werfende) und Uke (der Fallende) an. Doch nicht nur die Absprachen müssen stimmen. Für eine schöne Kata ist es unabdingbar, dass Tori die einzelnen Techniken beherrscht und sich darüber bewusst ist, nach welchen Prinzipien diese geworfen werden müssen. So ist es dann nämlich auch möglich einen Partner zu werfen, der um die 30 kg schwerer ist, als man selbst.
Für den ersten Dan ist es laut Prüfungsordnung erforderlich alle fünf Gruppen der Nage-no-kata zu demonstrieren. Jede Gruppe besteht aus drei Würfen, die jeweils rechts und links geworfen werden müssen. Folglich kommt man auf 30 Aktionen, bei denen jeder Schritt, jede Körperbewegung und jeder Wurfablauf stimmen müssen. Um dieser Komplexität gerecht zu werden, ist es unbedingt nötig, vollste Konzentration aufzubringen, denn bereits ein „dummer“ Fehler könnte dazu führen, dass man die Prüfung nicht besteht.
Da sich unsere Judoka aber bereits vor dem Lehrgang intensiv mit der Kata auseinandergesetzt hatten, konnten sie im Lehrgang sofort mit dem so genannten Feinschliff beginnen.
So ist es kein Wunder, dass sie schnell als Vorzeige-Judoka gehandelt wurden und den restlichen Lehrgangsteilnehmern ihre Kata demonstrieren sollten.
Aufgrund dieser Tatsache war es dann auch kein Wunder, dass sie in der Prüfung am 18.12.2010, welche um 10 Uhr begann, souverän ihre Leistungen abrufen konnten und das Prüfungsfach Kata ohne Schwierigkeiten bestanden.
Im Bereich des Standprogramms mussten vorgegebene Wurftechniken aus judotypischen und vorallem judosinnvollen Situationen geworfen werden. Hierbei ging es vorallem darum, die Techniken entsprechend vorzubereiten um dann den Partner mit möglichst Kraftaufwand werfen zu können.
Alle drei sind erfahrene Wettkämpfer und somit musste keiner von ihnen lange darüber nachdenken, welche Situation nun realistisch ist oder nicht. Folglich war auch dieses Prüfungsfach kein Problem und alle kamen eine Runde weiter.
Nun stand die Demonstration der Spezialtechnik an. Schwerpunkt hierbei ist die Vorführung der für einen selbst „besten“ Technik. Dazu gehört, wie übe ich diese Technik mit und ohne Partner, wie bereite ich die Technik mit Finten oder anderen Wurfansätzen vor und was tue ich, wenn ich es zwar schaffe zu werfen, aber dafür keinen Ippon bekomme?
Somit muss jeder Prüfling einen so genannten Handlungskomplex zu seiner Spezialtechnik zeigen.
Vanessa musste als erste auf die Matte und demonstrierte mit Lutz ihre Spezialtechnik den Tai-otoshi (Körperwurf). Nachdem sie ihn mehrfach aus verschiedenen Situationen gezeigt hatte, bestand das dreiköpfige Prüfungskomitee, bestehend aus Lars Lange (5. Dan), Helmut Behnke (6. Dan) und Jörg Bielefeldt (5. Dan), dann noch auf die Demonstration der Übungsformen. Diese Nachfrage brachte Vanessa nicht aus ihrem Konzept und somit war für sie auch dieser Teil bestanden.
Lutz kam gleich als nächster dran. Auch er bezeichnet den Tai-otoshi als seine Spezialtechnik, allerdings wirft Lutz ihn vorzugsweise aus einer anderen Position. Ohne weitere Nachfragen seitens der Prüfer konnte Lutz sein vorbereitetes Programm vorzeigen und durfte sich dann glücklich über das Bestehen wieder hinsetzen.
Nun war noch Andre an der Reihe. Unser kleine Wirbelwind auf der Matte zeigte seinen Morote-seoi-nage links geworfen. Nicht umsonst erhielt er vom Lehr- und Prüfungsreferent des HJV Helmut Behnke den Titel „Mr. Seoi-nage“, denn wer so schnell und auch nach dem 10. mal werfen noch eine souveräne Technik zeigt, der hat es einfach verinnerlicht, was diese Technik ausmacht.
Folglich bestand auch Andre diesen Teil der Prüfung problemlos.
Nun stand nur noch ein letztes Prüfungsfach an: Bodentechniken. Zu den Techniken gehören neben den Haltegriffen, Würgetechniken und Festhaltern auch das Umdrehen des Partners aus der Bauchlage und das so genannte Passieren der Guard (Begriff aus dem Brazilian-Jiu-Jitsu).
Diesmal musste Andre als Erster ran. Souverän zeigte er zusammen mit seinem Partner Casper vom Eimsbüttler TV alle erforderlichen Techniken und konnte die Nachfragen der Prüfer stets logisch und nachvollziehbar beantworten.
Danach waren Vanessa und Lutz wieder an der Reihe. Auch die beiden hatten keinerlei Probleme bei der Demonstration der Techniken.
Als die Prüfer Vanessa dann fragten, wie sie sich aus einer schlechten Position im Boden zu einer für sie besseren hinarbeiten könnte, antwortete sie ohne große Umschweife, dass sie schlichtweg aufstehen würde um dann im Stand weiterzumachen.
Richtige Bodenspezialisten außer Olaf Bähr und Lutz haben wir im VfL kaum und das war nach dieser Antwort auch den Prüfern bewusst. Völlig sprachlos nach dieser Antwort fiel den Prüfern dann auch keine weitere Frage mehr ein und die beiden hatten ihre Prüfung erfolgreich abgeschlossen. J
Gegen 15:30 Uhr wurde das Ergebnis der Prüfung dann verkündet: Alle Prüflinge hatten zurecht bestanden! Demnach darf sie der VfL nun über drei weitere frischgebackene Dan-Träger freuen.

Doch einer fehlt noch. Hanspeter Raschle hatte bereits im letzten Jahr die Prüfungsvorbereitung, musste aber wenige Wochen vor der Prüfung zum zweiten Dan aufgrund einer Knieverletzung mit dem Training aufhören.
Unbeeindruckt von diesem Rückschlag entschied sich Hanspeter dazu, sich erneut auf die Prüfung vorzubereiten. Schließlich bringt ein schweizer Judoka zu Ende, was er einmal angefangen hat! J
Sein damaliger Kata-Partner Joe Drexler unterstützte Hanspeter erneut und gemeinsam feilten sie jede Woche an deren Kata.
Für den zweiten Dan sieht das Prüfungsprogramm vor, dass die Prüflinge die Katame-no-kata, die Kata der Bodentechniken, zeigen.
Diese Kata besteht aus insgesamt drei Gruppen à jeweils fünf Techniken. In der ersten werden die fünf Haltegriffgruppen demonstriert. Die zweite Gruppe ist die der Würgetechniken und die Dritte umfasst die Hebeltechniken.
Am 18.12.2010 war es dann auch für Hanspeter so weit; die Prüfung fand in den Hallen des Eimsbüttler TV statt.
Unter den Augen der wohl „strengsten“ Prüfungskommission, bestehend aus Sönke Schillig (5. Dan), Sigrid Happ, (7. Dan), Helena Behnke (5. Dan) und Torsten Klegin (4. Dan), führte Hanspeter seine Kata trotz großer Aufregung ohne Fehler vor. Schließlich hatten der mehrfache Deutsche Kata-Meister Sönke sowie die Kata-Spezialisten des Hamburger Judoverbands Sigrid und Helena nichts an Hanspeters Kata auszusetzen. Somit war der erste und an dem Tag wahrscheinlich auch schwerste Schritt in Richtung zweiter Dan geschafft.
Ähnlich wie bei der Prüfung zum ersten Dan erfordert das Standprogramm die Präsentation vorgegebener Wurftechniken.
Diese bestanden hauptsächlich aus Selbstfalltechniken (auch Opfertechniken genannt), welche quasi die Spezialität unseres Schweizers sind.
Hanspeter musste seine Techniken an dem Tag mit verschiedenen Partnern zeigen, überzeugte die Prüfer dadurch dann restlos davon, dass es im Judo nicht darauf ankommt, ob der Partner mitfällt, sondern dass man im richtigen Augenblick mit dem richtigen Aufwand an Kraft werfen muss.
Die Prüfungsordnung der Dangrade sieht es vor, dass man sich entweder auf die Demonstration seiner Spezialtechnik vorbereitet, oder aber judobezogene Selbstverteidigung zeigt.
Da Hanspeter mit Joe unseren vereinsinternen SV-Meister zur Seite hatte, referierte er als einziger der Prüfungsgruppe über die verschiedenen SV-Techniken. Jedem sei gesagt, egal ob man Hanspeter mit der Faust, einem Messer, oder gar einer Schusswaffe angreift, man zieht sicherlich den Kürzeren.
Auch die Prüfungskommission zeigte sich zweifelsfrei beeindruckt und somit war der Prüfungsteil im Stand für Hanspeter bestanden.
Bevor das Bodenprogramm abgeprüft wurde war Hanspeter wahrscheinlich der einzige, der noch daran dachte, er könne durchfallen.
Wie erwartet ließ sich Hanspeter aber auch hier nicht von etwaigen Fragen der Prüfer aus der Ruhe bringen und präsentierte souverän die abgeforderten Techniken.
Ebenfalls gegen 15:30 Uhr konnte sich auch Hanspeter über die zu recht bestandene Prüfung freuen.
Hanspeter hat bewiesen, dass Fleiß und Durchhaltevermögen am Ende trotz vorangegangener Rückschläge doch noch belohnt werden.
Am Abend dieses Sonnabends trafen sich dann noch alle VfL’er Judoka bei unserem „Stamm-Griechen“ und feierten unsere erfolgreichen neuen Judo-Meister.
Die Judo-Sparte des VfL Pinneberg gratuliert den neuen Meistern herzlich zu ihrem Erfolg und ist gespannt, ob es auch im Jahr 2011 wieder ein paar unserer Judoka wagen, sich der Prüfung zu stellen.
Jessica Fritzsche










